Foto: Maike Gamer

Andacht zum Lesen

am 8. Januar 2021

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Gemeinde,
liebe Leserinnen und Leser,

Weiß wie der Schnee liegt ein neues Jahr vor uns. Erste Spuren sind bereits zu sehen. Vieles ist noch unbefleckt und kann gestaltet werden.

Im vorigen Jahr mischten sich unzählige neue Wörter in unseren Wortschatz und sind zu selbstverständlichen Vokabeln geworden: „7-Tage-Inzidenz“, „Lockdown“, „R-Wert“ oder „coronahälsning“ (als schwedisches Beispiel). Andere Wörter haben einen ganz neuen Klang erhalten: „Isolieren“ galt früher für Häuser und Kabel. „Masken“ wurden zu Karneval getragen. „Positiv“ war mal ein positives Wort. „Pandemiebedingt“ halten wir „soziale Distanz“, doch von einer „Herdenimmunität“ sind wir immer noch weit entfernt. Vor genau einem Jahr hat kein Mensch solche Ausdrücke verwendet.

Welche Wörter werden uns 2021 begleiten? Ich werfe mal dieses Wort in den Ring:

Barmherzig. Was für ein schönes Wort! Ja, ich weiß. Ein klassischer Fall von „wird ja gar nicht mehr verwendet“. Ein Wort, das vom Aussterben bedroht ist. Aber es ist Teil der Jahreslosung für 2021 und für mich eine Neu-Entdeckung:

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! (Lukas 6,36).

Das Lukas-Evangelium ist voll von Erzählungen, die beschreiben, was gemeint ist: Der Samariter, der den Verletzten versorgt und ihn in Sicherheit bringt (Lk 10). Der Vater, der den abtrünnigen („verlorenen“) Sohn versöhnend in seine Arme schließt (Lk 15). Jesus, der den gesellschaftlich ausgegrenzten Betrüger Zachäus aus der Isolation herausholt (Lk 19).

Einander barmherzig ansehen – das brauchen wir mehr denn je. Gnädig miteinander sein, wenn eine Mitschülerin oder ein Arbeitskollege das gefürchtete Virus einschleppt. Für Menschen beten, die besonders betroffen sind. Einander im Blick behalten. Sich erbarmen über Hilfsbedürftige. Denen unter die Arme greifen, die am Rande der Existenz stehen. Lasst uns Herz zeigen, gerade da, wo es nicht erwartet wird.

Ein gesegnetes neues Jahr
wünscht eure Pfarrerin Maike Gamer.